Die 90er-Jahre

Auf einer Vorstandssitzung im März 1990 erklärten alle anwesenden Vorstandsmitglieder, bei der diesjährigen Vorstandswahl im Mai 1990 nicht mehr zu kandidieren. Auf der Jahreshauptversammlung am 04.05.1990 ehrte Zugleiter Bernhard Mächtig den Präsidenten Heinz Hubo für seine 20-jährige Tätigkeit als Sitzungspräsident mit einem Gedicht und überreichte ihm im Namen der Mitglieder einen Wandteller mit Widmung. Bei der anschließenden Vorstandswahl wurden Walter Platzek zum Vorsitzenden und Michael Pollok zum 2. Vorsitzenden gewählt. Da an diesem Abend kein kompletter Vorstand zustande kam, fand am 04.09.1990 eine außerordentliche Mitgliederversammlung statt. Bei dieser Veranstaltung konnte unter dem Vorsitzenden Walter Platzeck wieder ein handlungsfähiger Vorstand gewählt werden.

Die kommende Session 1990/1991 fand wieder einmal ohne Prinz statt, zu allem Übel fiel 1991 der Karnevalszug wegen des Golfkriegs aus.

Der neu gewählte Jugendwart Kirsten Strick hatte sich für die Kinder und Jugendlichen ein ganzjähriges Programm, sogenannte Monatsaktionen, ausgedacht. Nach der Kindersitzung im Januar 1991 und dem damals noch geplanten Karnevalszug im Februar sollte es anschließend jeden Monat eine andere Aktion geben. So waren z. B. eine Ostertour rund um Ülpenich für Groß und Klein, ein Kaffeeklatsch mit Spielkreis, der Besuch eines Kinder- und Jugendtheaters in Köln, ein Frühlingsfest, ein Grillfest, eine Fahrradtour und ein Ausflug in einen Freizeitpark geplant. Leider wurde aus dieser tollen Idee jedoch nichts, denn nach einigen internen Querelen innerhalb des neu gewählten Vorstandes verlas Walter Platzeck auf der Jahreshauptversammlung am 12. 04.1991 die Rücktrittserklärungen der Geschäftsführerin Maria Schumacher, des Jugendwartes Kirsten Strick und der Gardetrainerin Brigitte Platzeck. Nachdem die Kassenprüfer die unübersichtliche Belegführung in der Kasse kritisiert hatten, wurde der Vorstand vorläufig nicht entlastet. Die Neuwahlen des 2. Vorsitzenden – Michael Pollok hatte sein Amt bereits im Vorfeld zur Verfügung gestellt – der Geschäftsführung und des Jugendwartes konnten somit an diesem Abend nicht durchgeführt werden. Im Anschluss gab der Vorsitzende Walter Platzeck in einer persönlichen Erklärung seinen Rücktritt bekannt.

Die einzige Einigung an diesem Abend bestand darin, dass Erika Hilger und Evi Pick das Training der Garden übernehmen wollten. Weiterhin wurde eine 5-köpfige Kommission zur erneuten Kassenprüfung zusammengestellt. Der Termin für eine außerordentliche Mitgliederversammlung wurde auf den 03.05.1991 festgelegt. Nachdem auch auf dieser Versammlung kein handlungsfähiger Vorstand gewählt werden konnte, wurde am 15.11.1991 erneut eine außerordentliche Mitgliederversammlung einberufen. Unter der Leitung von Michael Pollok, der dank seiner hervorragenden Rhetorik die Anwesenden für den Fortbestand der KG begeistern konnte, wurde schließlich ein neuer Vorstand gewählt. Gegen den Willen seiner Frau hatte sich Heinz Hubo erneut bereit erklärt, den Vorsitz der Gesellschaft zu übernehmen. An dieser Stelle sei diesem Vollblutkarnevalisten noch einmal herzlich gedankt. Durch sein Engagement hatte er auch in der Vergangenheit das „Narrenschiff“, wie er es selbst gerne formulierte, immer wieder auf Kurs gebracht. Zum 2. Vorsitzenden wurde Dieter Esser gewählt, das Amt des Geschäftsführers teilten sich Erika Hilger und Mary Dickhoven. Erika Hilger und Evi Pick wurden als Gardetrainerinnen bestätigt, Willi Kaulich wurde Schatzmeister, Bernhard Mächtig übernahm das Amt des Senatspräsidenten und Matthias Fink das des Zugleiters.

Im Namen aller neuen Vorstandsmitglieder erklärte Heinz Hubo, dass der neue Vorstand nach Kräften bemüht sein werde, den Verein gut zu führen und den Karneval in Ülpenich wieder aufleben zu lassen. Aufgrund der Kürze der Zeit versuchte man für die bereits angelaufene Session 1991/1992 gar nicht erst, einen Prinzen zu finden. Für dieses alljährlich wiederkehrende Problem sollte es in der Session 1992/1993 eine unerwartete Wendung geben.

Nach langer prinzenloser Zeit tat sich im Jahre 1992 mal wieder etwas. Die Löschgruppe Ülpenich der Freiwilligen Feuerwehr feierte im Mai des Jahres ihr Feuerwehrfest. Irgendwie kam das Gespräch bei einigen Ballbesuchern auf das Thema Karneval. Gudrun Esser und Silvia Mletzko beschlossen an diesem Abend, es den Herren der Schöpfung mal so richtig zu zeigen. Der (die) Dritte im Bunde war mit Maria Löwenau schnell gefunden und so konnte Präsident Heinz Hubo bei der Proklamationssitzung am 13.11.1992 mit Prinz Gudrun I. (Esser), Bauer Maria (Löwenau) und Jungfrau Silvia (Mletzko) nicht nur das erste Dreigestirn der KG sondern auch das erste weibliche Dreigestirn im Kreis Euskirchen präsentieren.

Bei der Prunksitzung am 16.01.1993 wurde Rainer Benner zum Ehrensenator ernannt. Herr Benner hatte sich immer wieder als Freund und Gönner der KG verdient gemacht, sei es durch großzügige Spenden oder durch kostenlose Auftritte der Ehrengarde der Stadt Köln, deren Präsident er lange Jahre war.

Aus Anlass des 33-jährigen Bestehens der KG sowie zu Ehren des ersten Dreigestirns veranstaltete man am 24.01.1993 ein Gardetreffen, bei dem 16 Gastvereine im Saal Bohn ihr Können zeigten.

Der Karnevalszug 1993 stand leider unter dem Einfluss von sehr schlechtem Wetter. Alle Jahreszeiten waren an diesem Tag vertreten. Viele fleißige Hände hatten seit November 1992 für den Dreigestirnswagen Papierrosen gebastelt und so erstrahlte der Wagen am Karnevalssonntag trotz des miesen Wetters mit über 16.000 handgefertigten Rosen. Präsident Heinz Hubo bezeichnete den Wagen bei seinem Sessionsrückblick im Mai 1993 als schönsten Wagen seit Bestehen der KG. Am Karnevalsdienstag 1993 fand zu Ehren des Dreigestirns ein Karnevalsausklang im Saal Bohn statt. Seit dem letzten Preismaskenball am Karnevalsdienstag 1988 gab es endlich wieder eine Sessionsabschlussveranstaltung.

Bereits im Juli 1993 konnte das neue Dreigestirn für die Session 1993/1994 auf einer Vorstandssitzung begrüßt werden. Die Proklamation von Prinz Egon I. (Dickhoven), Bauer Josef (Zens) und Jungfrau Henriette (Heinz Bohsem) fand am 13.11.1993 im vollbesetzten Saal statt.

Am 09.01.1994 lud das Dreigestirn die Dorfbevölkerung zum Frühstück in die Behindertenwerkstatt ein.

Auf der Prunksitzung am 15.01.1994 wurde Präsident Heinz Hubo durch den Vizepräsidenten des Regionalverbandes Düren, Toni Maubach, mit dem Verdienstorden des Bundes Deutscher Karneval in Gold ausgezeichnet. Diese höchste Auszeichnung, die der BDK zu vergeben hat, wurde in diesem Jahr in ganz Deutschland insgesamt nur 17-mal verliehen.

Bauer Josef erfreute die Sitzungensbesucher mit Lokalkolorit in seiner Büttenrede als „Ölepenijer Spazierjänger“.

Am Karnevalsfreitag 1994 besuchte das Dreigestirn die Poststelle in Ülpenich, wo Katharina Bohsem einsam ihren Dienst versah. Man nahm etwas zu Essen und zu Trinken mit und eine neue Veranstaltung war geboren: Das Postfest.

Dank der Unterstützung durch Sach- und Geldspenden konnte in diesem Jahr der Saal Bohn neu gestaltet werden. Es wurde ein neuer Vorhang angebracht, der Elferratstisch wurde erneuert und es wurde eine seitliche Bühne für die Musik gebaut. Initiator und Ausführender dieser Arbeiten war in erster Linie Bernhard Mächtig.

Es folgten erfolgreiche Jahre für den Verein, ein Dreigestirn nach dem anderen wurde proklamiert, die Sitzungsprogramme steigerten sich dank finanzkräftiger Sponsoren von Jahr zu Jahr. Viele Kölner Karnevalsgrößen gaben sich in Ülpenich die Klinke in die Hand: „De Räuber“, „Die Filue“, „Der Weltenbummler“, „Dä Mann met dem Hötche“, „Klaus & Willi“, Guido Cantz, „Der Bergische Landbote“, die Ehrengarde der Stadt Köln, das „Dellbröcker Boore Schnäuzer Ballett“, et „fussich Julchen“, die Kölner Ratsbläser, Peter Horn, die „Pittermännche“, die „Kalauer“, „et Schnäuzer-Duo“ um nur einige zu nennen.

Seit seiner Gründung im Jahre 1959 hatte die Gesellschaft immer wieder wellenförmig Hochs und Tiefs erlebt, die 90er Jahre können auf jeden Fall als absolute Hochzeit genannt werden.

Gerade mal 2 Wochen nach Aschermittwoch, am 02.03.1994, wurde dem Vorstand bereits das neue Dreigestirn für die Session 1994/1995, Prinz Hubert I. (Dehnhard), Bauer Bernd (Scheidhauer) und Jungfrau Josefine (Josef Monius), vorgestellt.

Auf der Jahreshauptversammlung am 29.04.1994 wurde Dieter Esser zum Vorsitzenden der Gesellschaft gewählt. Der bisherige Vorsitzende Heinz Hubo kandidierte nicht mehr, wurde aber als Sitzungspräsident wiedergewählt. 2. Vorsitzender wurde Georg Mletzko, Geschäftsführer Mary Dickhoven und Schatzmeister Willi Kaulich. Im Anschluss an die Vorstandswahl präsentierte der neue Vorsitzende Dieter Esser eine neue Satzung. Da der Verein als gemeinnützig anerkannt werden wollte, waren einige Änderungen in der Satzung notwendig geworden. Die neue Satzung wurde von den anwesenden Mitgliedern akzeptiert.

Am 13.07.1994 wurde der neue Vorstand ins Vereinsregister eingetragen. Gleichzeitig wurde die Schreibweise des Vereinsnamens in „Karnevalsgesellschaft Ülekrade Ülpenich 1959 e.V.“ im Vereinsregister geändert.

Am 10.11.1994, einen Tag vor der Proklamation von Prinz Hubert I., Bauer Bernd und Jungfrau Josefine kam es zu einem folgenschweren Zwischenfall. Josef Monius, designierte Jungfrau des neuen Dreigestirns, verletzte sich bei einem Sturz von einer Leiter so stark, dass er ins Krankenhaus eingeliefert werden musste. Nun war guter Rat teuer. Sollte man die Proklamation verschieben? Sollten Prinz und Bauer alleine proklamiert werden? Lange Zeit zum Überlegen gab es nicht. Nachdem das Problem bekannt war, erklärte sich Vorjahresjungfrau Heinz Bohsem kurzerhand bereit, zur Proklamation noch einmal ins Kostüm zu schlüpfen und als „Ersatzjungfrau“ das neue Dreigestirn zu seiner Proklamation wenigstens optisch komplett zu machen.

Auch in dieser Session waren alle Veranstaltungen gut besucht, nicht zuletzt durch die finanzstarke Unterstützung durch das Dreigestirn konnten sehr anspruchsvolle Sitzungsprogramme geboten werden.

Für den Bau eines neuen Prinzenwagens wurde ein 9 Meter langer Anhänger angeschafft und in wochenlanger Arbeit komplett neu aufgebaut. Dieser Wagen ist seitdem die Attraktion in den Karnevalszügen in Ülpenich, Zülpich und Euskirchen.

Das in der Vorjahressession eingeführte Postfest wurde auch in diesem Jahr am Karnevalsfreitag gefeiert. Da solche Feierlichkeiten in einer deutschen Amtsstube jedoch nicht mit den Vorschriften der Deutschen Post zusammenpassen, musste das Fest in anderen Räumlichkeiten stattfinden. Bernd Scheidhauer stellte seine Werkstatt zur Verfügung und so konnte unbeschwert gefeiert werden. Auf diesem Postfest wurde ein neuer, inoffizieller Verdienstorden eingeführt und das kam so: Ein langjähriges inaktives KG-Mitglied zeichnete sich durch die häufige Aufnahme beeindruckender Mengen eines Getränks aus, das im Volksmund „Bombe“ genannt wurde. Hinter diesem Begriff verbarg sich eine äußerst explosive Mischung aus Korn und Limonade. Da in der langen Geschichte der KG verdiente Trinker schon immer ein hohes Ansehen hatten, wurde der „Bombenorden“ erfunden und am Abend des Postfestes feierlich an Hans Steuer verliehen.

Nach Ablauf der Session hatten Hubert Dehnhard und Bernd Scheidhauer einen Förderkreis ins Leben gerufen und konnten auf der Jahreshauptversammlung am 19.05.1995 bereits die Sammlung von 1.290,- DM bekannt geben. Bernd Scheidhauer stellte sich außerdem zur Verfügung, sämtliche Auftritte der Garden sowie des Dreigestirns zu managen und zu koordinieren. Immerhin verfügte die Gesellschaft zu dieser Zeit über eine Damen- und 3 Kindergarden sowie ein Solomariechen, insgesamt 36 Aktive.

Ein neues Damendreigestirn für die Session 1995/1996 stand bereits in den Startlöchern. Am 10.11.1995 wurden Prinz Margot I. (Dehnhard), Bauer Ria (Willamowski) und Jungfrau Luzi (Scheidhauer) proklamiert.

Auf der Prunksitzung am 12.01.1996 wurden Bernhard Pütz und Willi Dahmen zu Ehrensenatoren ernannt.

Neue Freundschaften zu anderen Karnevalsvereinen wurden geknüpft. Durch Verbindungen von Ria Willamowski entstand ein Kontakt nach Oedingen, Bernd Mallner hatte Verbindungen zur Stadtgarde Alsdorf. Diese Garde nahm mit Musikzug und Tanzgarde jahrelang an unserem Karnevalszug teil.

Beim diesjährigen Postfest wurde der „Bombenorden“ an Mary Dickhoven verliehen, die es in Bezug auf die Verträglichkeit größerer Biermengen mit so manchem gestandenen Mann aufnehmen konnte.

Für die Session 1996/1997 fand sich leider keine Tollität. Das tat dem Ganzen jedoch keinen Abbruch.

Auf der Jahreshauptversammlung am 14.03.1997 wurde Dieter Esser als Vorsitzender wiedergewählt, ebenso der 2. Vorsitzende Georg Mletzko, Sitzungspräsident Heinz Hubo und Geschäftsführer Mary Dickhoven. Da Willi Kaulich nicht mehr als Schatzmeister kandidierte, fiel die Wahl auf Egon Dickhoven. Auf Antrag von Michael Pollok wurde beschlossen, Heinz Hubo zum Ehrenpräsidenten zu ernennen. Der Mitgliedsbeitrag wurde von 3,- DM auf 4,- DM pro Monat für Erwachsene und von 1,- DM auf 1,50 DM für Kinder erhöht. Der Familienbeitrag wurde auf 6,50 DM festgesetzt.

Der „Bombenorden“, der, angepasst an die Trinkgewohnheiten des Geehrten, kurzerhand in „Himmiorden“ umbenannt wurde, ging in diesem Jahr an Bernd Scheidhauer.

Bernd Scheidhauer erklärte aus beruflichen Gründen seinen Rücktritt als Gardemanager ab dem 31.10.1997. Für die kommende Session gab es wieder ein Dreigestirn. Prinz Hubert II. (Schwingen), Bauer Wilfried (Krüger) und Jungfrau Otti (Ottmar Müller) wurden am 14.11.1997 proklamiert.

Im Laufe der Session nahm das Dreigestirn im Zülpicher Tonstudio Lehser mit Unterstützung von Martin Frings (Saxophon), Markus Frings (Keyboard) und Dieter Esser (Schlagzeug) eine eigene CD auf und reiste damit durch die Säle der Umgebung.

Das Postfest fand wieder am Karnevalsfreitag, in diesem Jahr erstmalig in der umgebauten Scheune von Wilfried und Brigitte Krüger statt. Dieter Esser erhielt diesmal den „Bombenorden“ für seine Verdienste im Vernichten von „Hörnerwhisky“, sprich Jägermeister.

Bei einer Vorstandssitzung am 07.04.1998 konnte mit Dirk Eschweiler, Heinz Pesch und Karl-Heinz Zimmermann bereits das Dreigestirn für die nächste Session vorgestellt werden. Die Proklamationssitzung von Prinz Dirk I., Bauer Heinz und Jungfrau Karoline am 14.11.1998 war fast ausverkauft.

Während der nächsten Session entstand durch das Dreigestirn Prinz Lothar II. (Strick), Bauer Hardy (Berg) und Jungfrau Raphaela (Ralph Schepke) eine enge Bindung zur KG Grün-Gold Flamersheim und zur Prinzengarde Arloff-Kirspenich. Auf Initiative des Vorjahresprinzen Dirk Eschweiler besuchte das Dreigestirn ein Gardetreffen in Arloff mit 3 weißen Sattelzugmaschinen. Dies sorgte für ziemlich viel Aufregung bei dieser Veranstaltung.

Eine Woche zuvor war das Dreigestirnfrühstück in der Behindertenwerkstatt etwas aus den Fugen geraten. Es kamen die Dreigestirne aus Euskirchen, Flamersheim, Arloff-Kirspenich und Kommern. Durch diverse, nicht geplante Musik- und Tanzdarbietungen, wurde die ansonsten recht ruhige Veranstaltung zu einer Art Sitzung.

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